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Der SKNH

Seit dem Jahre 1965 hat sich der SKNH (Schweizerischer Klub für Nordische Hunde) an vorderster Front im europäischen Schlittenhundesport engagiert. Er führte damals als Pionier diese Sportart in Mitteleuropa ein. In der Folge verbreitete sich von der Schweiz aus der Schlittenhundesport ins nähere und fernere Ausland. Aufgrund des grösseren Bekanntheitsgrades dieser Sportart und des damit verbundenen Aufwandes resultierten einige Sportvereine, darunter auch der SSK (Schweizerischer Schlittenhundesportklub), der 1988 gegründet wurde. Mit seinen mittlerweile über 200 Mitgliedern sind die Ziele des SSK den Schlittenhundesport mit den vier von der FCI (Fédération Cynologique Internationale) anerkannten Schlittenhunderassen zu fördern sowie dieses jahrhunderte alte Naturerbgut zu erhalten. Auch andere Hunderassen verfügen über das Talent des Schlittenhunderennsportes, für den SSK ist absolut wichtig, dass der Siberian Husky, der Alaskan Malamute, der Grönländer und der Samojede sowohl in ihrem herkömmlichen Aussehen wie auch in ihrer natürlichen Art unverändert bleiben. Dies beginnt im züchterischen Bereich und endet in der artgerechten Haltung. Für all diese Aspekte engagiert sich der SSK und setzt sich dafür ein!

Schlittenhunde- ein schützenswertes Naturerbe

… oder warum sind Schlittenhunde anders?

(© Heidy Fasler, 4133 Pratteln)

Hunderassen werden nicht einfach so den Jagd-, Hüte-, Wachhunden etc. zugeordnet. So wurden auch die Schlittenhunde nicht allein wegen ihres Talentes zum Ziehen von Schlitten diesem Oberbegriff „Schlittenhunde“ zugeordnet, denn über dieses Talent ver-fügen auch andere Hunderassen. Vielmehr liegen der Zuordnung zu einer bestimmten Hundebezeichnung das Verhalten, die Herkunft, und natürliche Ausstattung sowie aus-geprägte Merkmale zugrunde. „Vier Hunderassen gelten als offizielle Schlittenhunde und mit Ausnahme des Samojeden, der als erster den Zunamen Schlittenhund erhielt, erfolg-te die offizielle Anerkennung des Siberian-Husky, des Alaskan Malamutes und des Grön-land-Hundes durch die nationalen und internationalen kynologischen Dachverbände erst recht spät im vorletzten Jahrhundert“.

Wer sich nun für die Haltung eines Schlittenhundes entscheidet, sollte sich zuerst mittels entsprechender Literatur über die Art und Verhalten dieser Hunderassen informieren. Denn auch wenn man als erfahrener „Hündeler“ gelernt hat, wie ein Hund zu denken, muss man bei den Schlittenhunden noch dazu lernen, wie ein Rudel denkt und funktio-niert.

Die Nordischen Hunde sind in ihrem Wesen und Verhalten seit Jahrhunderten unverän-dert. Die meisten anderen Hunderassen sind zum Teil noch keine hundert Jahre alt und mit den Kreuzungen und Paarungen bis zur Entstehung dieser offiziell anerkannten Hunderassen ist auch deren Verhalten verändert und den menschlichen Bedürfnissen angepasst worden.

Nicht so die Schlittenhunde. Sie haben ihr eigenes Wesen und ihre Talente bis heute behalten! So sind Schlittenhunde auch keine Wachhunde, das haben sie nie gelernt und würden – menschenfreundlich wie sie sind – auch Einbrecher freudig wedelnd empfan-gen.

Die Art ihres Denkens und Handelns entspricht noch echtem Naturverhalten. Der Mensch züchtete sich einst diese vierbeinigen Helfer, ohne die er vermutlich die arkti-schen Regionen kaum je zu seiner Wohnstätte gemacht hätte. Die nordischen Hunde wurden von dieser Arbeit in ihrem ureigenstem Lebensraum tiefgreifend geprägt. Ihre Anspruchslosigkeit, Härte und Widerstandskraft ist legendär. Dies muss man unbedingt kennen, will man diese Hunde verstehen und ihrem Wesen entsprechend halten.

Die Schlittenhunde wären allein der Natur überlassen noch immer absolut überlebensfä-hig, wenn sich ihnen nicht die Technik (Verkehr etc.) in den Weg stellen würde. Diese Selbstständigkeit und Denkfähigkeit unterscheidet die Schlittenhunde daher wesentlich von den bekannteren Familien- und Gebrauchshunden. Dass sich die Wölfe nie dome-stizieren lassen, kommt daher, weil sie sich keinem fremden Willen beugen. Ähnlich ver-hält es sich bei den Schlittenhunden. So gehorchen sie zum Beispiel nur, wenn sie selbst einen für sie vernünftigen Grund darin erkennen können und sie lassen sich auch zu nichts zwingen. Und für die Schlittenhunde macht nur Sinn, was dem Überleben dient!

Das ist mit ein Grund, weshalb die erzieherischen Massnahmen für die Schlittenhunde sehr viel Geduld, Liebe und Verständnis erfordern, denn ihre eigenen Interessen haben bei ihnen immer Vorrang.

Oft hört man, dass man von jedem Hund das gleiche verlangen und erwarten darf und mittels der nötigen Erziehung alles erreichen kann. Stimmt, aber nur, wenn man die na-türlichen und charakteristischen Merkmale der Schlittenhunde nicht akzeptiert, wenn man deren Willen, Instinkt und ihr Urverhalten brechen würde. Aber das käme einer

Aberkennung der Natur gleich.

Wer einen Hunde möchte der aussieht wie ein Schlittenhund aber gehorcht wie ein Re-triever, sollte die Hände von den Nordischen Hunden lassen. Er wäre ein Hundeleben lang enttäuscht und der Hund ein Leben lang unglücklich!

Nur wer den Ursprung und das Verhalten der Schlittenhunde kennt und respektiert ist auch eines Schlittenhundes würdig. Dazu gehört auch darüber zu stehen, wenn andere, die diese faszinierenden Hunde nicht kennen, über deren Eigensinn und vermeintlichen Ungehorsam die Nase rümpfen.

Ihrer Neugierde und ihrem Laufdrang geben sie oft und gerne nach. Vor allem in der freien Natur. Das Spazieren mit ihnen erfordert vom Hundehalter immer ein wachsames Auge auf den Hund, um noch vor der Umsetzung gewisser Absichten des Hundes sofort reagieren zu können. Am meisten erreicht man, wenn man die Interessen des Hundes „umpolen“ kann, denn allein nur ein Befehl ist für einen Schlittenhund noch kein Grund, von seinem Vorhaben abzulassen. Im übertragenen Sinn denkt der Hund etwa so: „Geh du nur schon mal nach Hause, ich komme dann auch, wenn ich mit meinen Interessen fertig bin, schliesslich kenne ich den Weg“! Auch darin drückt sich ihre Selbständigkeit aus und nicht zuletzt deshalb wird sich eine ganz enge Bindung zwischen dem Mensch und dem Schlittenhund nur ganz selten ergeben.

Viele Schlittenhunde – auch hier in der Schweiz – werden in Verbänden von mehreren Hunden gehalten, also in einem geschlossenen und intakten Rudel; mit aus der eigenen Reihe erkorenen Alphatieren (je eines pro Geschlecht). Zwar haben auch diese eine Be-ziehung zu den Menschen, aber erst in zweiter Priorität. Die erste gilt allein dem sozialen Gefüge in ihrem eigenen Rudel.

Die Aufgabe eines Rudels und vor allem der Leittiere besteht darin, ihr eigenes Territori-um gegen fremde Vierbeiner zu verteidigen. Der immer noch vorhandene Instinkt schreibt ihnen das ebenso vor wie auch auf Streifzügen die Jagd nach einem ausgeklü-gelten System wahrzunehmen. Zwar hätten sie das durch unsere Zufütterung nicht nötig, aber der Instinkt ist immer noch da. Und der sagt ihnen, „nimm was du kriegst, man weiss nie, wann wir wieder auf Beute stossen“.

Fast alle Hunderassen weisen noch heute diesen Instinkt auf. Das uns meist unverständ-liche, was so ein Hund an Mengen verschlingen könnte, würden wir es ihm geben, ist darauf zurückzuführen; oder wenn zum Beispiel Spielsachen hin- und hergeschüttelt werden, dann ist das nichts anderes, als der Urinstinkt, die Beute tot zu schütteln. Nur ist dieses Urverhalten bei den Schlittenhunden noch so ausgeprägt vorhanden, dass sie dieses – vor allem wenn sie in Rudelverbänden leben – auch heute noch ausleben, bie-tet sich ihnen die Möglichkeit.

So sind die Schlittenhunde auch in der Arbeit im Gespann vor dem Schlitten immer die-sen Gesetzen unterworfen. Das darf man nie vergessen! Meistens sind auch die Alpha-tiere die Leittiere im Gespann und fühlen sich, ihren Instinkten und natürlicher Ausstat-tung entsprechend gefordert. Erstens die Verteidigung des Rudels und zweitens das Er-heischen von Beute. Sie wissen zwar um ihre Arbeit im Gespann und leisten diese auch, aber diese beiden angesprochenen Merkmale werden dabei nie ganz ausgeschaltet.

Wenn sich nun ihnen etwas in den Weg stellt, das nach Beute aussieht, greifen sie zu. Ein warm eingepacktes Kind, das auf einem Schlitten parallel zur Rennstrecke gezogen wird, kann auf die Hunde auf den ersten Blick als laufende Beute wirken. Und schon mancher Vierbeiner hat sein Leben verloren, nur weil ihre unvernünftigen Besitzer sie zu den Rudeln an den stake-outs liessen. Der vermeintliche Eindringling in das geschlosse-ne Rudel wurde instinktiv angegriffen. Das ist Naturgesetz! Was wir als Unrecht empfin-den, ist für diese Hunde absolut wichtig und richtig.

Zu Unrecht wird den Schlittenhunden oft unterstellt, dass sie unberechenbare Tiere sei-en. Das ist aber eben nur die Meinung von Unkundigen, die ihre Betrachtungen beim Austragen der Rangordnungen im Rudel wider besseres Wissens mit dem Sozialverhal-ten der Menschen vergleichen. Dabei würden diese (wie die Wölfe auch) nie einfach so einen Menschen angreifen. Es ist auch wichtig zu wissen, dass Hunde im allgemeinen Kinder als Artgenossen betrachten und ihnen daher auch in der Rangordnung nur eine untergeordnete Rolle zugestehen. Vor allem beim Verteidigen des Futters greift ein Hund auf eines seiner drei für uns sicht- und hörbaren Zeichen zurück: „Knurren, Bellen oder Beissen“. Auch im Spiel handelt der Hund nach seinem besten Wissen und Gewissen – nur kann die Art des Spielens (das unter den Hunden problemlos vor sich geht ) den Kindern Verletzungen zufügen. Die Vorsicht und die Verantwortung im Umgang mit Hund und Kindern liegt in jedem Fall bei den Erwachsenen.

Wer aber die Seele der Schlittenhunde erkennt und ihre eigenen Naturgesetze versteht – und dazu gehört auch der richtige Umgang mit ihnen – wird tausendfach belohnt mit fas-zinierenden Erlebnissen – gerade wegen ihrer Natur!

Von den vier Schlittenhunderassen wird der Samojede oft erfolgreich als Einzelhund gehalten. Dies kommt daher, weil er in seiner ursprünglichen und mehrere Jahrhunderte dauernden Haltung immer in die Familie der Samojeden-Nomaden integriert wurde und eine Beziehung zu den Menschen entwickeln konnte. Die Samojeden-Nomaden (die Hunde heissen so, weil man sie bei diesen in Sibirien lebenden Nomaden entdeckt hat) gaben jedem Hund einen eigenen Namen, nutzten sie zum Jagen, zum Hüten der Ren-tierherden aber auch als Aufpasser für ihre Kinder. In der Nacht schliefen diese Hunde dann als Wärmequelle bei den Nomaden im Zelt. Nur gerade die ärmsten unter dem Samojedenvolk, die keine Rentiere zum Ziehen der Lasten halten konnten, spannten ihre Hunde vor die Schlitten.

Diese Haltung – die auch als Verhaltensmerkmale weiter vererbt werden, lässt eben auch zu, dass der Samojede im Gegensatz zu den übrigen Schlittenhunderassen, die in reiner Arbeitshaltung gehalten und darum nie eine eigene Bindung an die Menschen entwickeln konnten, alleine mit den Menschen zufrieden ist. Wohlverstanden gibt es auch bei den anderen drei Rassen Ausnahmen, aber diese entsprechen nicht der Regel!

Die Beziehungsfähigkeit der Samojeden darf aber auch nicht falsch verstanden werden. Auch in Einzelhaltung müssen wir diesen weissen Vierbeinern das Rudel ersetzen. Re-gelmässig allein gelassen zu werden widerspricht der Natur aller Schlittenhunde. Sie würden vereinsamen und ohne richtige Beschäftigung verkümmern. Dazu gehört auch genügend Auslauf (nicht im Garten) und das Ausleben ihrer von Natur aus gegebenen Interessen.

Durch die Grösse und die Stärke der Alaskan Malamutes wurden sie in ihren Ursprungs-ländern vorwiegend zum Ziehen von schweren Lasten genutzt und die Siberian-Huskies dort eingesetzt, wo es schnell gehen musste, z.B. im Postwesen.

Die Samojeden- und später Grönland-Schlittenhunde waren im letzten Jahrhundert massgeblich am Bau der Jungfraubahn beteiligt. Bei der Entstehung der Jungfraubahn war der Einsatz von Pferden im Schnee nicht geeignet. Zur gleichen Zeit erfuhr man an-lässlich der Polarforschungen in der Arktis- und Antarktis von den in Schnee und Kälte resistenten und erst noch kraftvollen Schlittenhunden und importierte diese zum Ziehen der Lasten sowie den Transport der Nahrungsmittel für die Arbeiter und das Postwesen. Als Dank und Tradition besitzt die Jungfraubahnen AG noch heute auf dem Eigerglet-scher eine eigene Hundekolonie, die nicht nur wegen den seltenen Grönlandhunden sondern auch als höchst gelegene Zuchtstation Europas weltweit auf Interesse stösst.

Die Samojeden sind verglichen mit den Huskies und den Malamutes weniger stark und weniger schnell, aber als Traber fähig, lange Distanzen durchzuhalten. Der Grönland-hund ist von allen Schlittenhunden dem Wolf am nächsten. So besitzt der Wolf 20 Ver-haltensmerkmale von denen beim Grönlandhund noch immer 15 vorhanden sind. Nicht zuletzt deshalb sind diese Hunde in der Schweiz so selten – diese äusserst robusten Hunde fordern eine anspruchsvolle Haltung.

Man hat auch schon gehört, dass der Schlittenhunde-Rennsport eine tierquälerische Ak-tivität sei. Doch wer solches sagt, hat noch nie gesehen, mit wie viel Freude die Hunde diese Arbeit ausführen. Wäre es eine Tierquälerei, würden sich die Hunde mit eingezo-genem Schwanz und mit sich wehren vor dem Einspannen drücken. Doch kaum sichten die Hunde ihre „Gstältli“, können sie es kaum erwarten, eingespannt zu werden und los zu flitzen. Hinzu kommt, dass der Musher (Schlittenhundeführer) nur mit Worten Einfluss auf die Hunde nehmen kann. Das Absolvieren einer Rennstrecke ist eine absolute Teamarbeit zwischen Hunden und Musher ohne jede mechanische Einwirkung, nur die Stimme lenkt und führt die Hunde. Das wäre wohl kaum möglich, hätte man diese Hunde zu dieser Arbeit gezwungen!

Und jeder aktive Schlittenhund hat die gleiche Vorgeschichte. Mit ungefähr halbjährig werden sie das erste Mal mit der Arbeit am Schlitten vertraut gemacht. Und schon beim ersten Training verhalten sich die Neulinge so, als hätten sie noch nie etwas anderes gemacht. Letzteres bezieht sich auf das Rennen und Ziehen. Es ist ganz klar, dass sie dabei noch alle Erfahrungen machen müssen, wie das Erlernen der Kommandos, das Einteilen der Kräfte, die Atmosphäre an den Rennen und die vielen Zuschauer. In dieser Entwicklung kristallisieren sich dann die Leithunde heraus. Über das Talent für die Arbeit am Schlitten verfügen zwar alle aktiven Hunde, aber das Ausführen der Kommandos und die Leitung des ganzen Gespanns bedingt die innere Stärke eines Hundes und die ist nicht bei allen Hunden gleich ausgeprägt.

Noch etwas unterscheidet die Schlittenhunde von den anderen Hunden, die diese Sport-art ebenfalls ausführen: ihr Haarkleid, mit dem sie sich auch ausserhalb der Rennaktivi-tät in der Kälte wohl fühlen. So sind sie absolut in der Lage, bei Kälteeinbrüchen ihre Un-terwolle innert 3 Tagen weiter aufzubauen oder stossen in wärmeren Jahreszeiten ihre gesamte Unterwolle innert drei bis vier Wochen einfach ab.

Oder wenn sie ähnlich wie ein Wolfsrudel in einen gemeinsamen Heulchor einstimmen. Dass Wölfe nur ungern harmonisch miteinander heulen geht auf die Evolution zurück, denn Untersuchungen ergaben einen höchst pragmatischen Grund für ihre Vorliebe: in-dem sie die Töne variieren, gibt sich das Rudel den Anschein grösserer Zahl. Benach-barte Rudel werden es sich genau überlegen ob sie sich auf einen Revierkampf mit den zahlreichen Echos im Dunkeln einlassen sollen. Bereits junge Welpen beginnen mit Piepslauten und klagendem Jaulen um Futter zu betteln sobald sie hungrig sind. Neben allen ernsten Gründen scheinen sie aber auch nur zum Spass zu heulen.

Schlittenhunde zu halten ist eine Philosophie. Das Zusammenleben mit ihnen ist span-nend und faszinierend und man ist ständig gefordert. Denn Schlittenhunde sind noch echte Naturburschen und –damen, die ein Erbe sind, das es zu wahren gilt.